Noch 2 Aufführungen:
07.11.26 • 17 Uhr
Verdo, Hitzacker (Dr.-Helmut-Meyer-Weg 1, 29456 Hitzacker (Elbe))
Mit einer Lichtinstallation von Harm Bremer
08.11.26 • 17 Uhr
Kunsthaus Salzwedel (Neuperverstraße 18, 29410 Salzwedel)
https://www.kunsthaus-salzwedel.com/
Programmheft
Das Programmheft mit Texten zum Stück können Sie hier vorab herunterladen. Das lohnt sich, weil es die Entstehungsgeschichte des Werkes aus der Sicht des Komponisten erzählt. Sie erhalten es aber auch vor Ort. Die tollen Fotos von unserm Chor sind von Jochen Quast
Eine musikalische Herausforderung
Das Chorwerk „The Sacred Veil“ stellt an den Kammerchor Wendland sowohl künstlerisch als auch emotional hohe Ansprüche. Premiere ist am 19. September.
Von Petra Witte
Lüchow. Auch nach rund einem Jahr intensiver Beschäftigung mit dem Chorwerk „The Sacred Veil“ von dem US-amerikanischen Komponisten Eric Whitacre und dem Dichter und Autor Charles Anthony Silvestri könnten noch nicht alle Mitglieder des Kammerchores Wendland die Stücke singen, „ohne einen Kloß im Hals zu haben“, sagt Chormitglied David Schorling.
Für ihn ist das Werk ein „Requiem für eine säkulare Moderne“: In „The Sacred Veil“ (Der heilige Schleier) hat Silvestri – zusammen mit Whitacre – den Tod seiner Frau Julie verarbeitet, die im Jahr 2005 mit 36 Jahren an Krebs gestorben ist. Am Wochenende führt der Kammerchor das Chorwerk in Neu Kaliß und Lüchow auf; zwei weitere Termine folgen im November.
Keine Liebe auf den ersten Blick
Die Anfangsherausforderung für den Chor sei gewesen, sich auf das Chorwerk einzulassen, sagt Nicolaus Ilgner. Bei den meisten sei es keine Liebe auf den ersten Blick gewesen, „aber jetzt schätzen wir es sehr“, sagt der Tenor.
Schwierig sei nicht nur das Thema, sondern auch die musikalische Umsetzung. Sie habe sich das Stück „mit unendlich komplexen, schwierigen Tonarten“ erst selbst erarbeiten müssen, bevor sie es dem Chor vorstellte, erzählt Chorleiterin Evelyn Hartmann: „Aber jetzt bin ich total glücklich. Es ist uns gelungen, es auseinanderzunehmen und wieder aufzubauen. Wir haben gemerkt, dass wir es bewältigen können.“
Mittlerweile „lebt das Stück in dem Chor“, beschreibt Hartmann die Intensität, mit der sich der Chor auf „The Sacred Veil“ eingelassen hat. Sie sei sehr stolz auf die 24 Sängerinnen und Sänger und den „tollen, satten Chorklang“, der nicht zuletzt daher rühre, dass jede Stimme sechsfach besetzt ist.
„Es ist eine intellektuelle und sängerische Herausforderung für uns. Es geht an die Grenze unseres sängerischen Könnens, mit vielen Tempi-Wechseln. Und dabei müssen wir gleichzeitig aushalten, was wir empfinden“, berichtet Schorling.
Denn das Werk thematisiert nicht nur das Kennen- und Liebenlernen des Ehepaares Silvestri, sondern auch den Moment der Diagnose, die Folgen der Therapie mit Haarausfall, das Sterben, die Verzweiflung und schließlich die Akzeptanz der Situation des mit zwei kleinen Kindern zurückbleibenden Witwers.
Das weckt auch bei den Sängerinnen und Sängern Gefühle. Petra Damaschke ist überzeugt, dass jeder – ob Ausführende oder Zuhörer – in dem Werk etwas „zum Andocken“ findet: „Es lässt sich mit jeder Lebensgeschichte ausfüllen.“
Für sie selbst sei es „tatsächlich Trauerbewältigung“, das Werk zu singen, erzählt das Chormitglied. Sie habe vor einiger Zeit eine enge Freundin verloren, die an Krebs erkrankt war, und könne darum die Gefühle, die in „The Sacred Veil“ zum Ausdruck kommen, gut nachvollziehen.
Es sei ein sehr intimes Werk, „immer an der Grenze zwischen Leben und Tod“, sagt Sopranistin Sabine Gasser.
„Es ist eine intellektuelle und sängerische Herausforderung für uns.“
David Schorling, Kammerchor Wendland
„The Sacred Veil“ – damit meint Charles Anthony Silvestri die Grenze zwischen der Welt und der Ewigkeit, die sich bei der Geburt sowie dem Sterben als durchlässig erweise. So seien die Verstorbenen den Lebenden immer noch nahe.
Als Kooperationspartner für das Projekt hat der Chor den Hospizverein Lüchow-Dannenberg gewonnen. Die Kooperation sei wegen der inhaltlichen Verbindung gut und wichtig, sagt Evelyn Hartmann.
Zum ersten Mal auf einer Autofahrt angehört
Sie sei von einer Freundin auf das 2019 uraufgeführte Chorstück aufmerksam gemacht worden und habe sich die CD auf einer Autofahrt angehört. „Ich war berührt und ergriffen von der Musik“, erinnert sich Hartmann, die das Stück daraufhin ihrem Chor vorstellte.
Das habe auch darum gepasst, weil dieser den Wunsch geäußert hatte, mal wieder ein zusammenhängendes, großes Werk zu singen. Die gemeinsame Arbeit an dem bisher erst ein paar Mal aufgeführten Stück sei zu einer „schönen Reise durch ein Jahr“ mit dem Chor geworden, sagt die Chorleiterin. Es habe die Chormitglieder noch enger zusammengebracht, berichten diese.
Geprobt wurde einmal im Monat am Wochenende, zuletzt habe es aber auch viele Stimm- und Sonderproben gegeben, erzählen die Sänger:innen. Mitte August gab es die erste gemeinsame Probe mit Instrumenten.
Aaron Greese begleitet den Chor am Klavier, Cellistin Ilka Wagener-Eylert übernimmt für Stefanie Schmoeckel, die aus gesundheitlichen Gründen verhindert ist.
Bei zwei der vier Aufführungen verbindet der Lichtkünstler Harm Bremer die Musik mit Lichtprojektionen und lässt sie zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen, „das Materie, Klang und Licht in einem Atemzug vereint“, heißt es im Programm.
Der Pevestorfer Safthersteller Voelkel, die Bürgerstiftung Dannenberg, der Rotary Club und der Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg unterstützen den Chor bei dem Projekt.

You rise, I fall...
The Sacred Veil – Der heilige Schleier

So weit im Leben und so nah am Tod, [...]*. Diesem sensiblen Thema versuchen wir uns als Kammerchor Wendland zu nähern. In 2026 planen wir die Aufführung des Werkes The Sacred Veil von Eric Whitacre für gemischten Chor, Cello und Klavier. Der Künstler Harm Bremer wird dazu Licht-Installationen entwerfen.
In dem Werk schildert Charles Anthony Silvestri seinen sehr persönlichen Weg der Trauer und Trauerverarbeitung nach dem Verlust seiner Frau durch eine Krebserkrankung. Er wählte dazu die Form des Gedichtes, ließ in den Texten auch seine Frau selbst und den Komponisten zu Wort kommen. Aus der mehrjährigen Zusammenarbeit der beiden Freunde entstand die zwölfgliedrige Komposition The Sacred Veil.
Mit The Sacred Veil stellt sich der Kammerchor Wendland die Aufgabe, der Frage des Lebens, des Sterbens und des Todes im inneren Nachspüren in Klang- und Lichträumen Zeit und Raum zu geben. Alle Menschen, die sich darin berühren lassen wollen, sind herzlich eingeladen.
Wir freuen uns sehr, dass wir den Hospizverein Lüchow-Dannenberg als Kooperationspartner gewinnen konnten.
(Grafik: Sabine Gasser)
Machen Sie The Sacred Veil möglich
Ein Projekt wie dieses lebt von vielen, die es gemeinsam tragen. Wir suchen rund 333 Menschen, die uns mit je 33 € unterstützen. Jede Spende hilft, Klang- und Lichträume entstehen zu lassen, in denen wir der Frage nach Leben, Sterben und Tod nachspüren können.
Unterstützen Sie uns – damit The Sacred Veil im Wendland erklingen und leuchten kann.
Spendenkonto:
Hospizverein Lüchow-Dannenberg e. V.
Verwendungszweck: The Sacred Veil
Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg
IBAN: DE41 2585 0110 0042 0002 32
BIC: NOLADE21UEL
Das sagen Chorsänger:innen über das Stück
Birgit (Sopran)
Felice (Alt)
„The Sacred Veil“ ist ein Werk, das mich tief berührt. Bis jetzt haben wir in Dannenberg nur den letzten Satz gesungen – und schon dieser Ausschnitt geht mir unglaublich nahe. Obwohl das Stück vom Sterben erzählt, schenkt es Trost und Hoffnung: Mit dem Tod ist nicht alles vorbei.
P. (Tenor)
In der Begleitung einer krebskranken Freundin hofften wir alle immer wieder auf ein Heilungswunder - bis wir kurz vor ihrem Tod begriffen, dass das Wunder bereits da war, nämlich in ihrem Hier-Gewesen-Sein auf dieser Welt – mit uns und all dem , womit sie sie bereichert hat. Das machte es leichter, im Tod selbst ein Stück Heilung für sie zu sehen und darauf zu vertrauen, dass die Seele den Weg dorthin kennt.
In "Child of Wonder", dem letzten Lied des "Sacred Veil-Zyklus´ ", schimmert für mich diese Thematik besonders durch:
"stars and moons will guide you
down the stream...
welcome home my child
welcome home"
Matinee in Dannenberg am 22.03.2026
Während auf den Strassen und in den Geschäften Dannenbergs am Sonntag, dem 22.3.26, reges Treiben im Rahmen des Ostermarktes herrschte, fand im Dannenberger Ostbahnhof eine Veranstaltung statt, die alle Anwesenden zutiefst berührte und die es wert ist, hier auch im Nachgang erwähnt zu werden: der Hospizverein Lüchow-Dannenberg hatte zu einer Matinee mit Vortrag zum Thema „Trauerbewältigung“ (Referentin war Frau Ute Wegner) eingeladen, der musikalisch vom Kammerchor Wendland unter der Leitung von Evelyn Hartmann umrahmt wurde.
Der Tod eines nahestehenden Menschen löst Schmerz und Trauer aus, Gefühle, die individueller nicht sein könnten. Entsprechend individuell sind auch die Möglichkeiten der Trauerbewältigung, wie Ute Wegner in ihrem kurzweiligen, inspirierenden Vortrag herausarbeitete. Sie gab u.a. Einblicke in theoretische Modelle zum Umgang mit Tod und Trauer wie z.B.das der 4 Phasen „Schmerz, Wut, Zorn, Freude“ oder das von Elisabeth Kübler-Ross mit „Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression, Akzeptanz“.
Alle Gefühle dürfen gleichermaßen da sein, wahrgenommen werden, verfolgen nicht einen bestimmten linearen Ablauf, sondern kehren eher in unregelmäßigen Abständen wieder, die anderen Gesetzen als denen der Logik folgen. Auch machte sie die theoretischen Grundlagen durch lebendige Beispiele immer wieder sehr anschaulich und nachvollziehbar, verwies auf die Möglichkeit professioneller Begleitung durch den Hospizverein z.B. bei den regelmäßigen Treffen im Trauercafe (Gemeindehaus St.Johannis in Lüchow). Dabei betonte sie die Bedeutung von kreativen Ausdrucksmethoden wie Schreiben, Malen, Musizieren und stellte so die Verbindung zu dem aktuellen Projekt des Kammerchores Wendland her : THE SACRED VEIL – DER HEILIGE SCHLEIER, ein Werk von Eric Whitacre, der die Gedichte seines Freundes Charles Anthony Silvestri vertonte. Diese Gedichte entstanden im Rahmen seines sehr persönlichen Weges im Umgang mit der Krebserkrankung seiner Ehefrau bzw. der Trauer nach ihrem Tod.
Der gemischte Chor wurde am Cello von Marion Kuenzer und am Klavier von Isabel Joekel so einfühlsam begleitet, dass die Klangverflechtungen von Stimmen und Instrumenten im Raum für das Publikum tief spürbar, ja nahezu sichtbar wurden. Schon das erste der 3 vorgestellten Lieder des 12 teiligen Zyklusses zog das Publikum in seinen Bann:
„Bei jeder Geburt und jedem Tod wird der heilige Schleier zwischen den Welten dünner und hebt sich ein wenig,
gerade lange genug, dass die Liebe hindurchschlüpfen kann,
leise, entweder hinein in unsere zerbrechliche, flüchtige Welt
oder hinaus aus ihr, wo hier wie dort sie eine neue Heimat findet.
Und die wir lieben, kommen uns nah; in verzückter Erwartung oder in matter Dankbarkeit stehen sie da.
Die wir lieben, stehen so nah, genau hier, genau auf der anderen Seite der Ewigkeit.“
(Übersetzung des engl. Originaltextes).
Frau Wegner gab einfühlsam mit ihrer Aussage „wie fange ich jetzt nach diesem schönen Stück das Reden an?“ die Stimmung im Saal wider und fand dann einen wunderbaren Einstieg in ihren Vortrag, holte die Anwesenden mit ihrer Authentizität gut ab und nahm sie mit in ihre Gedankenwelten.
Abgerundet wurde der Vortrag durch eine rege Beteiligung des Publikums mit Fragen an die Referentin und mit persönlichen Gedanken zum Thema.
Das Gesamtwerk von Eric Whitacre wird vom Kammerchor Wendland in weiterer Kooperation mit dem Hospizverein Lüchow-Dannenberg im Herbst an verschiedenen Orten der Region aufgeführt werden. Dr.med.Petra Damaschke

